Andreas Hillger - Autor/Dramaturg
Andreas Hillger - Autor/Dramaturg

Der Neue Mensch

Lesereihe zum 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum

 

Als ideale Schöpfung wird "Der Neue Mensch" schon in der Bibel beschworen, größte Verbreitung aber fand die Idee von einer perfektionierten Persönlichkeit in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Spätestens nach der "Urkatastrophe" des Ersten Weltkriegs lagen alte Gewissheiten in Trümmern, die neue Zeit verlangte nach einem veränderten Miteinander … und auch nach Veredelung jedes Einzelnen. In welche Richtung und unter welchen Vorzeichen sich "Der Neue Mensch" aber entwickeln sollte, war alles andere als klar: Am linken wie am rechten Rand der jungen Weimarer Republik kämpften Demagogen um die Deutungshoheit, dazwischen warben Künstler und Techniker für ihre Ideen – eine kurze, von heftigen Debatten erschütterte Epoche, für die das Bauhaus seit 1919 wie ein Echoraum und ein Schallverstärker wirkte.

 

Zum 100-jährigen Gründungsjubiläum der Hochschule für Gestaltung wird mit einer Lesereihe (Konzept und Moderation: Andreas Hillger) noch einmal an den Zeitgeist jener Jahre erinnert – und damit auch nach den politischen Koordinaten des Bauhauses gefragt werden. Dass die Lesereihe in Dessau-Roßlau dabei Texte der Bauhaus-Meister ausspart, ist Programm: Demokratische und anarchistische, poetische und prophetische, ästhetische und utopische, medizinische und technische Äußerungen eröffnen Außen ansichten auf jene Jahre, in denen das Bauhaus eine neue Welt erschaffen wollte und schließlich scheiterte. Die moderierten Lesungen stellen jeweils zwei Positionen gegenüber, die einander verstärken und widersprechen, neben prominenten Autoren werden auch fast vergessene Stimmen zu hören sein. An wechselnden Orten der Stadt lesen Vertreter von Kirche und Kultur gemeinsam mit Schauspielerinnen und Schauspielern des Anhaltischen Theaters.

 

In Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt, dem Kulturbüro des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, der Stadt Dessau-Roßlau, dem Anhaltischen Theater und der Stiftung Bauhaus Dessau werden bis zum 31. Oktober 2019 Texte aus den Jahren 1918 bis 1933 vorgestellt. Sie verhandeln politische und ästhetische, soziale und technische Standpunkte der Zeit.

Mitteldeutsche Zeitung,

11. März 2019

Programmflyer der Veranstaltungsreihe

Stimmen zum Dessauer Abendmahl

Ein Projekt im Rahmen der Ausstellung "Schatzkammer der Reformation" in Dessau, Sommer 2017, Texte: Andreas Hillger, realisiert mit dem Offenen Kanal Dessau

 

www.ok-dessau.de

 

 

Luthers Lieder

Erstmals und einzig im Portfolio der Luther-Aufnahmen sind auf dieser Doppel-CD tatsächlich alle 35 Lieder Martin Luthers vereint, im Begleitbüchlein mit allen Strophen abgedruckt und erklingen in der Anordnung der Lieder und Motetten voller Abwechslung von Bearbei­tun­gen aus Luthers Tagen bis zu zwanglos dazwischen gesetzten Ersteinspielungen von Komponisten der Gegenwart. Sie umfasst die Lieder in den wichtigsten Vertonungen der vergangenen fünf  Jahrhunderte, darunter in Werken von Bach, Praetorius, Buxtehude und Mendelssohn sowie neuen Komponisten. Das Begleitbuch enthält die kompletten Liedtexte sowie leicht lesbare, kurze Meditationen zu zehn ausgesuchten Luther-Liedern von Margot Käßmann, Joachim Gauck, Frank-Walter Steinmeier, Uwe Kolbe und vielen anderen. Als einzige Produktion, die den kompletten Korpus der Luther-Lieder vorstellt, hat diese CD zweifellos Referenzcharakter. Zugleich bietet sie einen repräsentativen Querschnitt durch 500 Jahre Musikgeschichte und damit Anknüpfungspunkte selbst für jene Hörer, die vom Evangelium kaum noch etwas wissen (wollen).

 

Mit einem Gedicht von Andreas Hillger zu "Ein neues Lied wir heben an".

 

www.chrismonshop.de

Festival "Doppelgänger - Von Puppen, Menschen und Maschinen"

Mit einer Themenwoche unter dem Motto „Doppelgänger – Von Puppen, Menschen und Maschinen“ feierte das Puppentheater Halle vom 24. April bis zum 4. Mai 2014 sein 60-jähriges Bestehen. Kuratiert wurde das Festival vom Bureau für Begeisterung (Andreas Hillger/Axel Nixdorf).

Dabei wurde das gewählte Thema – anders als bei klassischen Figurentheater-Festivals – erstmals in Kooperation mit wichtigen kulturellen und wissenschaftlichen Institutionen der Stadt verhandelt: Die Nationale Akademie Leopoldina beteiligte sich mit experimentellen Formaten wie einem Science Dating und einer Talkshow zwischen Puppen und Menschen an dem Projekt. Die Franckeschen Stiftungen zeigten eine Ausstellung (Kurator: Andreas Hillger/Axel Nixdorf), die unter dem Titel „Lebensgefährten“ vielfältige Aspekte und Funktionen von Puppen verhandelte. Im Kunstverein Talstrasse wurde die Rolle und das Bild der Puppe in der Kunst der Klassischen Moderne präsentiert und in der Stiftung Händelhaus war die Geschichte des Automaten in der Musik zu besichtigen. Auch die Werkleitz-Gesellschaft hatte ihr Festival unter das Motto „Doppelgänger“ gestellt und zeigte im Rahmen der Themenwoche insgesamt sieben Filmprogramme.

Neben diesen Partnern konnte das Puppentheater Halle prominente Gäste als Gratulanten gewinnen: Die Mailänder Marionetten-Compagnia Carlo Colla e Figli reiste mit ihrer Inszenierung von Claude Debussys „La Boîte à joujoux“ und Igor Strawinskys „Petruschka“ an, der Puppenspieler Christoph Bochdansky entwickelte mit seinem Kollegen Peter Rinderknecht eigens für Halle ein Stück unter dem Titel „Dämon“ und die Pyromantiker zeigten ihr Open-Air-Spektakel „Feuer, Wasser und Posaunen“. Zudem gastierten Melanie Sowa und Friederike Krahl im Kunstverein Talstrasse mit „Über den Klee“, die Erfolgsproduktion „Tarzan“ feierte ihre Wiederaufnahme und Ines Heinrich-Frank setzte für das Händelhaus „Georg und George“ in Szene. Das Puppentheater Halle feierte sich selbst mit einer Hommage unter dem Titel „1001 Puppe“.

Gefördert wurde die Themenwoche durch die Kulturstiftung des Bundes.

Ausstellung "Lebensgefährten"

Die Franckeschen Stiftungen in Halle (Saale) sind als herausragendes Zeugnis des deutschen Pietismus auf dem besten Weg, in die Unesco-Welterbeliste aufgenommen zu werden. In diesem grandiosen Ensemble konnte das Bureau für Begeisterung eine Ausstellung kuratieren, die vom 27. April bis zum 31. August 2014 in sieben Kapiteln von „Lebensgefährten“ erzählte. Der Untertitel „Von Puppen und ihren Menschen“ fasste das paradoxe Verhältnis konkreter: Ausgehend von einem „Stammbaum“, der die historische Entwicklung der Puppe von steinzeitlichen Idolen bis zur Barbie und ihrer muslimischen Schwester – der Fulla – abbildete und zugleich Unterarten wie die Voodoo-Puppe oder die Mumie als menschliche Verpuppung in künstlerischer Manier inszenierte, führte der Parcours zu verschiedenen von den beiden Bühnenbildnern Susanne Berner und Lutz Grumbach gestalterisch ausgeführten Einzelaspekten des Puppen-Universums. So gab es einen Raum mit „Eigenheimen“, der Puppenhäuser und -stuben u. a. mit Originalen aus der Arnstädter Puppenstadt „Mon Plaisir“ in Szene setzte. Das Puppentheater wurde beispielsweise mit Marionetten der italienischen Compagnie Carlo Colla e Figli sowie mit Figuren aus dem Puppentheater Halle in Szene gesetzt. Andere Räume waren der Puppe im Film, in der Literatur und im Fernsehen gewidmet. Als musée sentimental gab es zudem eine Installation mit Fotos von Hallensern, die für die Ausstellung ihre eigenen „Lebensgefährten“ zur Verfügung gestellt hatten – eine Inszenierung, die direkt auf den Ausstellungsort verwies, weil sie auch Handpuppen zeigte, mit denen in den 1950er Jahren in den Franckeschen Stiftungen gespielt worden war. Am Ende der Ausstellung, die von einem Crash Test Dummy als lebensrettende Puppe bewacht wurde, fand man sich vor einer künstlichen Pupille wieder – und konnte sich selbst als „Püppchen“ darin spiegeln. Die Mitteldeutsche Zeitung  nannte die Schau in ihrer Rezension „Eine Freude für Jedermann!“

Musikfestival "Himmel auf Erden"

Wittenberg feiert in der Dekade 2008 bis 2017 das 500jährige Jubiläum des Lutherschen Thesenanschlags. Das Theater Dessau und der Wittenberg Kultur e.V. haben dazu ein Musik-Festival veranstaltet mit herausragenden zeitgenössischen Werken und Ensembles als Ergänzung und interreligiöser Kontrapunkt zu den Luther-Feierlichkeiten der evangelischen Kirchen. Ausgangspunkt des Festivals "Himmel auf Erden" war der geistliche Gesang und die Frage nach Herkunft und Zukunft der Religionen.


Das Internationale Musikfestival Himmel auf Erden erstreckte sich über drei Jahre von 2011 bis 2013. Im ersten Jahr präsentierten Musiker unter dem Motto „Im Anfang“ verschiedene Kulturen und Religionen. 2012 wurden unter dem Thema „Mitten im Leben“ religiöse Rituale im Alltag behandelt. Das Festival 2013 stand unter dem Motto „Heimkehr ins Paradies“ und beschäftigte sich mit der Frage, wohin wir gehen. Der Umgang mit dem Tod und die verschiedenen Vorstellungen zur Wiederauferstehung spiegelten sich in den Werken der verschiedenen Künstler wider.

 

Die Kulturstiftung des Bundes förderte das Festival in den Jahren 2011 und 2012.

 

Künstlerische Leitung: André Bücker, Antony Hermus; Idee: Andreas Hillger

CD-Booklet "Pèlerinage" Ragna Schirmer

Den 200. Geburtstag Franz Liszts hatte sich die Pianistin Ragna Schirmer zum Anlass für eine "Pilgerreise" genommen. Mit ihrem Album legte sie eine Gesamteinspielung der "Années de Pèlerinage" vor, die Liszts Eindrücke auf seinen Reisen musikalisch reflektieren. Mit dieser Musik dokumentiert der Komponist vor allem seine persönliche, innere Entwicklung, und dies über einen längeren Zeitraum hinweg: Natureindrücken in der Schweiz schließt sich die Bewunderung italienischer Kunst und Literatur an, bis der Weg in späteren Lebensjahren in geistigen Sphären religiöser Meditationen mündet. Um den angemessenen Zugang zur Musik zu finden, schien es Schirmer unerlässlich, die Orte, aber auch die entsprechende Kunst und Literatur auf sich wirken zu lassen, die einst auf Liszts Weltsicht Einfluss genommen hatten. In einem Tagebuch, das Eingang ins CD-Beiheft gefunden hat, hat sie ihre Gedanken festgehalten. Hierbei wird auch dem Auge etwas geboten, denn zahlreiche Fotografien vermitteln zusätzlich einen optischen Eindruck von der Reise. Darüber hinaus bietet diese Gesamteinspielung die Möglichkeit, Liszts Weg auch in interessanten Querverbindungen hörend zu verfolgen: Seiner Begeisterung für die italienische Renaissancekunst entsprechend, wird die Klaviermusik bei passender Gelegenheit von den alten Gesängen Gesualdos und Marenzios ergänzt, gesungen vom renommierten ensemble amarcord. Auf diese Weise begibt sich auch der Hörer und Leser auf eine Reise durch Raum und Zeit und kann einem Reichtum innerer und äußerer Beziehungen nachspüren.

 

Konzeption und Booklet: Andreas Hillger

Theaterfestival Schleef-Block I

Einar Schleef, geboren in Sangerhausen, war eine der umstrittensten Persönlichkeiten des jüngeren deutschsprachigen Theaters. Im Jahr 2004 wäre er 60 Jahre alt geworden. Seine Geburtsstadt ehrte den Regisseur und Schauspieler aus diesem Anlass mit einem Festival (Idee und Konzept: Andreas Hillger). Im "Schleef-Block I" präsentierte Sangerhausen neben Theaterstücken und Lesungen auch ein Fachkolloquium zur Wirkung Schleefs für das Theater in Deutschland. Der Einar-Schleef-Arbeitskreis hatte die Projektleitung inne, gefördert wurde das Festival durch die Kulturstiftung des Bundes. Mitwirkende waren u.a. Freie Kammerspiele Magdeburg, Thalia-Theater Halle, Cantica Nova Trnava (SK), Judith Wilske/ Kampnagel und Jutta Hoffmann.

 

Drachenblut

Das Burgunderreich am Rhein: Nicht jeder weiß, dass die Begebenheiten rund um den Helden Siegfried, die Walküre Brünhilde, Wotan und all die anderen nicht nur einen mythischen, sondern auch einen realen Ort haben. Die Gegend um Worms am Rhein, fernab von der Côte-d’Or herrschten die Burgunder in der spätantiken Entstehungszeit des Nibelungenlieds. Um diese historische Situation sinnlich zu verdeutlichen, entwarf das Bureau für Begeisterung das Projekt Drachenblut und schlug damit einen Bogen vom Rhein an die Elbe. Ein roter Wein vom Rhein für den Ring der „Klassischen Moderne“ am Anhaltischen Theater Dessau. Für die Premiere des „Siegfried“ in der Bauhausstadt produzierte der talentierte rheinhessische Winzer Florian Fauth in seinem Weingut Seehof/Westhofen eine blutrote Cuvée aus heimischen und burgundischen Rebsorten.

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